Chronik
Chronik der 1./ Flugabwehrraketengruppe 21
Die folgenden Seiten widmen sich der Geschichte der Staffel. Wie man unschwer erkennen kann, geht die Geschichte bis in die Anfänge der Bundeswehr zurück. Die Seiten sollen die ehemaligen Angehörigen ebenso an ihre Zeit bei der Einheit erinnern, wie darüber informieren, was sich in späteren Jahren getan hat. Genau so sollen die Seiten, die interessierten jügeren darüber informieren, wie es vor “ihrer Zeit” so zugegangen ist.
Zur Zeit ist auch angedacht, soweit wir an die Informationen kommen, einige Fakten über die Waffen-, Waffensysteme, Ausrüstung und was sonst noch zur Einheit gehörte sowie auch einiges zum Standort Ennigerloh/Westkirchen zu schreiben. Das bisher vorhandene Material hat uns Winni Schüler zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank! Ohne Diese Beträge wäre der Webauftritt nahezu sinnfrei.
Die Chronik
Die 1. Staffel untersteht der Flugabwehrraketengruppe 21 in Möhnesee-Echtrop. Diese wird durch das Flugabwehrraketengeschwader 4 in Burbach geführt, einem Verband der 2. Luftwaffendivision, die dem Führungsstab der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung unterstellt ist.
Im Dezember 1959, hatten die Vermessungsingenieure der Bundeswehr ihre Aufgabe beendet. Es stand damit fest, dass in Westkirchen, mitten im Kreis Warendorf, eine Einheit mit Flugabwehrraketen der Typen NIKE-Ajax und NIKE-Hercules stationiert werden sollte.
Die Stellungsbereiche am Finkenberg und an der Hoetmarer Straße wurden 1962 fertig gestellt und bezogen. Am 21. Juni 1963 konnte dann auch die Truppenunterkunft übergeben werden. Westkirchen war damit endgültig Garnisonsstandort.
Die in Ennigerloh-Westkirchen stationierte 1. Batterie des Flugabwehrraketenbataillon 21 war am 01. April 1959 in Köln-Wahn aufgestellt und anschließend mit dem Waffensystem NIKE ausgerüstet worden. Nach einer Zwischenstationierung in Bocholt und Erwitte und der endgültigen Stationierung in Westkirchen wurde die 1. Batterie stellvertretend für alle deutschen NIKE-Einheiten der NATO unterstellt. Sie war damit Teil des Luftverteidigungsgürtels, der von Norwegen bis zur Türkei reichte. Ein deutliches Zeichen dieser Eingliederung in multinationale Strukturen war das ebenfalls in Westkirchen stationierte “Team D, 66th US Army Artillery Detachment” der amerikanischen Streitkräfte.
Die Leistungsfähigkeit der Einheit und ihrer Soldaten wurde in kurzen Zeitabständen von den verschiedensten Check-Teams überprüft. Die Durchführung des LV-Einsatzauftrages im 48- und 72- Stunden-Schichtdienstes endete im Dezember 1986 mit der Außerdienststellung des in die Jahre gekommenen NIKE-System.
Westkirchen blieb jedoch Garnison der 1. Batterie. Als 1. Staffel des neugegliederten Flugabwehrraketengeschwaders 21 erhält die Einheit im August 1989 als erste deutsche Einheit das hochmoderne Flugabwehrraketensystem PATRIOT.
Bei den erforderlichen Umbaumaßnahmen war in den Stellungsbereichen kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Am 23. Juli 1990 erfolgte schließlich mit der erneuten Übernahme des Einsatzauftrages die Wiedereingliederung in die integrierte NATO-Luftverteidigung. Bedingt durch die Neustrukturierung der Bundesluftwaffe wurde die 1./Flugabwehrraketengeschwader 21 am 01.01.1993 umbenannt in 1./Flugabwehrraketengruppe 21.
Seit April 1993 besteht zwischen der Stadt Ennigerloh und der 1. Staffel eine Patenschaft mit der Ab- sicht, die guten Beziehungen zu bewahren und zu färdern. Die Stadt Ennigerloh wird erstmalig im Jahr 860 erwähnt. Bis zum Jahr 1900 war Ennigerloh eine Gemeinde mit ländlichem Charakter. Mit dem Bau der Eisenbahn begann auch der industrielle Aufstieg.
Aufgrund der hohen Kalkvorkommen entstanden die ersten Feldöfen zum Brennen von Kalk. Mit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 wurde neben den bisher selbstständigen Orten Enniger und Ostenfelde auch Westkirchen eingemeindet. Im Laufe der Vergangenen Jahre hat sich Ennigerloh zu “einem” Ort entwickelt, in dem sich aber jeder Ortsteil seinen eigenen Charakter bewahrt hat.
Zu alten “NIKE-Zeiten” mit bis zu 450 deutschen, ca. 40 amerikanischen Soldaten und über 30 zivilen Mitarbeitern stellte die Einheit einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor in der ländlichen Region des Münsterlandes dar. Mit Einführung des Waffensystem PATRIOT reduzierte sich das Personal auf ca. 140 Soldaten und zivilen Mitarbeiter. Im November 1986 verließ der letzte amerikanische Soldat die Kaserne in Richtung Kaiserslautern.
Nach der materiellen Umrüstung und der Ausbildung des Personals ist die 1. Staffel zusammen mit der Flugabwehrraketengruppe 21 als erster deutscher PATRIOT-Verband im April 1991 einer umfangreichen NATO-Überprüfung unterzogen worden. Seither hat unser Verband regelmäßig Überprüfungen unter jeweils anderen Rahmenbedingungen und NATO-Forderungen absolviert. Die Flugabwehrraketengruppe 21 war immer die erste deutsche PATRIOT-Gruppe, welche diese Forderungen umgesetzt hat. Sie hat daher eine nicht ganz unbedeutende “Vorreiterrolle” innerhalb der Luftwaffe eingenommen.
Im Oktober 1999 nahm die 1. Staffel am Jahresschießen auf dem NATO-Schießplatz NAMFI (NATO-Missile-Firing-Installation) Souda-Bucht in Kreta in multinationaler Konfiguration teil. Hierbei wurde, unter Beteiligung der verschiedensten Flugabwehrraketensysteme und Teilnahme amerikanischer Streitkräfte, erstmalig ein Lenkflugkörper PATRIOT, seit Einführung des Waffensystems bei der 1. Staffel, verschossen.
Als erste deutsche Einheit bekämpfte die 1. Staffel im Juni 2001, im Rahmen der Übung “Roving Sands 2001″ auf der McGregor-Ranch in Texas/USA, erfolgreich zwei einfliegende taktisch-ballistische Flugkörper (Raketen). Im November des gleichen Jahres wurde ebenfalls das Jahresschießen in NAMFI/Kreta mit Erfolg absolviert. Für diese herausragende Leistungen erhielt die 1. Staffel die “Coin of Excellence” aus der Hand des Geschwaderkommodore Flugabwehrraketengeschwader 4, Herrn Oberst Hoppe.
Anfang des Jahres 2002 verdichteten sich die Gerüchte, den Standort Westkirchen mit den Stellungs- bereichen am Finkenberg und an der Hoetmarer Straße aufzulösen. Ursprünglich wurde als neuer Dienstort die Graf-Yorck-Kaserne in Möhnesee-Echtrop festgelegt. Mit Bekanntgabe der Luftwaffenstruktur 5 wurden alle Pläne geändert und für die erste Staffel, wie auch für alle anderen Außenstaffel der Flugabwehrraketengruppe 21 (Holzwickede, Datteln und Lennestadt/Oedingen), der Standort in Bad Arolsen/Mengeringhausen neu festgelegt. Die 6. Staffel in Waldbröl als weitere Außenstaffel wurde in dieser Phase komplett aufgelöst.
Schon im April 2002 wurden Soldaten als Vorkommando nach Bad Arolsen verlegt, um die infrastrukturellen Maßnahmen zu unterstützen und die verzugslose Verlegung des Personals und des Materials der Staffel zu gewährleisten. Ab September versah der größte Teil des Personals ihren Dienst in der Prinz-Eugen-Kaserne um schließlich ab 01. Oktober 2002 den kompletten Dienstbetrieb aufzunehmen.
In Westkirchen verblieb nur noch ein kleines Nachkommando, welches sich um die Rückgabe der Liegenschaften kümmerte. Nach Übergabe der Stellungsbereiche an die zuständige Standortverwaltung in Münster wurden, nach fast 40 Jahren, die Tore der “Münsterland-Kaserne” im Januar 2003 endgültig geschlossen. Nach Abmeldung beim Kommandeur der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf, dem für die Einheit zuständigen Standortältesten, wird damit das Geschichtsbuch der 1./Flugabwehrraketengruppe 21 in Ennigerloh-Westkirchen für immer zugeklappt.